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Carl Auer von Welsbach wird als jüngstes von vier Kindern, als
Sohn des Direktors der k.u.k. Hofdruckerei, Alois Ritter Auer von Welsbach,
und seiner Frau Therese geboren
Nach der Volksschule war er Internist im Löwenburgischen Konvikt
und besuchte anschließend das Realgymnasium in Mariahilf, später
Wechsel ans Josefstädter Gymnasium. Hier Wiederholung der zweiten
Klasse wegen Schwierigkeiten im Lateinunterricht.
Besuch der Realschule in der Josefstadt, Abschluß mit der Reifeprüfung
am 16.7.1877
Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger: Beginn am 1. Oktober
1877, Erhalt des Leutnant-Patents am 15. Dezember 1878
Inskription an der Technischen Universität in Wien: Studium der
Fächer Mathematik, allgemeine organische und anorganische Chemie,
allgemeine und technische Physik und Wärmetheorie bei den Professoren
Winkler, Bauer, Reitlinger und Pierre
Wechsel an die Universität Heidelberg
Vorlesungen über anorganische Experimentalchemie und Laboratoriumsübungen
bei Professor Robert W. Bunsen und Einführung in die Spektralanalyse
durch diesen, sowie Studium der Fächer organische Experimentalchemie,
Geschichte der Chemie, Mineralogie und Physik.
Promotion zum Doktor der Philosophie an der Ruperta-Carola-Universität
in Heidelberg.
Rückkehr nach Wien, Auer arbeitet als unbezahlter Assistent am
Laboratorium von Prof. Lieben
Beschäftigung mit chemischen Trennmethoden für Proben Seltener
Erden, die er aus Heidelberg mitgebracht hatte.
Veröffentlichung von Abhandlungen, wie z.B. „Über die Erden
des Gadolinits von Ytterby“ und „Über die Seltenen Erden“.
Erstmalige Zerlegung des damals noch als Element bekannten Didym
mit Hilfe einer neuen, von ihm entwickelten Trennmethode, beruhend auf
der franktionierten Kristallisation einer Didymammoniumnitratlösung.
Nach der charakteristischen Färbung gibt Auer der grünen
Komponente die Bezeichnung Praseodymium und der rosa Komponente
den Namen Neodidymium, welches im Laufe der Zeit in der Fachliteratur
den Namen Neodymium erhielt.
Beschäftigung mit Glühkörpern für die Inkandeszenzbeleuchtung,
Entwicklung eines Verfahrens zur Glühkörperherstellung beruhend
auf der Imprägnierung von Baumwollgeweben mittels Flüssigkeiten,
in denen Seltene Erden gelöst sind und Veraschung des Gewebes in einem
nachfolgenden Glühprozeß. Herstellung von ersten Glühkörpern
aus Lanthanoxid, mit denen die Gasflamme strumpfförmig umhüllt
ist. Dadurch erreicht Auer eine wesentlich bessere Lichtemission, aber
die Stabilität an feuchter Luft läßt noch sehr zu
wünschen übrig.
Ständig weitere Verbesserungen der chemischen Zusammensetzung
der Glühkörper, Erprobung von Varianten von Lanthanoxid
und Magnesiumoxid.
Patentierung eines Gasbrenners mit einem Actinophor genannten
Glühkörpers aus 60% Magnesiumoxid, 20% Lanthanoxid und 20% Yttriumoxid;
noch im selben Jahr gelingt der Ersatz des Magnesiumoxidanteiles durch
Zirkonoxid. Es folgt eine zweite Patentschrift mit dem Hinweis auf die
zusätzliche Verwendbarkeit des Glühkörpers auch in einer
Spiritusflamme.
Einführung der Bezeichnung Gasglühlicht durch den Journalisten
Moriz Szeps nach der erfolgreichen Präsentation eines derartigen Actinophors
im Niederösterreichischen Gewerbeverein; geregelte Produktion einer
Imprägnierflüssigkeit mit dem Namen Fluid in den Räumlichkeiten
des Chemischen Instituts.
Erwerb der Fabrik Würth & Co. für chemisch-pharmazeutische
Erzeugnisse in Atzgersdorf und industrielle Herstellung der Glühstrümpfe.
Beginnende Absatzprobleme durch die Mängel der frühen Glühstrümpfe, wie deren Zerbrechlichkeit, die kurze Einsatzdauer sowie das vielerseits als unangenehm empfundene, kalte, grünliche Licht und den relativ hohen Preis. Schließung der Fabrik in Atzgersdorf.
Erste Experimente auf Anregung von Dr. Haittingermit Glühkörpern
aus Thoriumoxidmischungen.
Entwicklung von fraktionierten Kristallisationsmethoden zur
Darstellung von reinem Thoriumoxid aus dem reichlich vorkommenden und daher
billigen Monazitsand.
Untersuchung des Zusammenhangs zwischen der Reinheit des Thoriumoxids
und seiner Lichtemission, Ermittlung der optimalen Zusammensetzung der
Glühkörper in langen Versuchsreihen.
Patentierung eines Glühkörpers aus 99% Thoriumoxid und 1%
Ceroxid, der bezüglich der Lichtemission eine direkte Konkurrenz zur
elektrischen Kohlenfadenlampe dieser Zeit ist.
Wiederaufnahme der Produktion in Atzgersdorf und schnelle Verbreitung
der Glühkörper aufgrund der gesteigerten Gebrauchsdauer.
Beginnende Auseinandersetzung mit der elektrischen Beleuchtung.
Beschäftigung mit hochschmelzenden, schwer verarbeitbaren Metallen,
um die Glühfadentemperatur und damit die Lichtemission zu erhöhen.
Entwicklung von Verfahren zur Herstellung von dünnen Metallfäden.
Bau von Glühlampen mit Platindrähten, die mit hochschmelzendem
Thoriumoxid überzogen werden, wodurch ein Betrieb der Lampen über
der Schmelztemperatur von Platin möglich ist. Schließlich geht
Auer von dieser Variante aber wieder ab, weil der Platinfaden beim Schmelzen
entweder die Hülle sprengt oder beim Erstarren reißt.
Patentierung von zwei Herstellungsverfahren für Glühfäden.
In der Patentschrift beschreibt Auer die Herstellung von Glühfäden
durch Abscheiden des hochschmelzenden Elements Osmium auf Metallfäden
(Legierungsverfahren) und auf organischen Fäden (Kohleverfahren)
und nachfolgendem Glühen des Fadens.
Entwicklung und Erprobung weiterer Formgebungsverfahren wie des Pasteverfahrens
zur Herstellung von geeigneten Fäden aus hochschmelzenden Metallen.
Bei diesem Verfahren wird Osmiumpulver mit einer Lösung von Gummi
oder Zucker versetzt und zu einer Paste geknetet. Die Erzeugung des Fadens
erfolgt, indem die Paste mit einem Stempel durch einen mit einer feinen
Düse versehenen Zylinder gedrückt und der Faden anschließend
getrocknet und gesintert
Große Goldene Medaille der Societe Technique de l’Industrie du
Gaz de France
Große Goldene Medaille des Niederösterreichischen Gewerbevereins
Erwerb eines industriellen Grundstückes in Treibach und Beginn
der Forschungs- und Entwicklungsarbeit an diesem Standort. Hier entsteht
die wichtigste Stätte des ruhmreichen Wirkens von Carl Auer von Welsbach.
Verleihung des Komturkreuzes des Franz Josef – Ordens durch Kaiser
Fanz Josef I.
Heirat mit Marie Nimpfer auf Helgoland.
Beginn der Entwicklung eines Trennverfahrens für Elemente der Yttererden,
welches auf der unterschiedlichen Löslichkeit der Oxalate beruht.
Verleihung der Bunsen-Pettenkofer-Ehrentafel des Vereines der deutschen
Gas- und Wasserfachmänner.
Goldene Medaille der Weltausstellung Paris
Markteinführung der ersten nach dem Pasteverfahren industriell
gefertigten Osmiumlampen unter der Bezeichnung Auer-Oslicht.
Vorteile dieser Lampen gegenüber den zu dieser Zeit gebräuchlichen
Kohlenfadenlampen: geringere Schwärzung des Glaskolbens, ein durch
die höheren Fadentemperaturen bedingtes „weißes“ Licht, sowie
eine höhere Lebensdauer der Lampe und daher bessere Wirtschaftlichkeit.
Beginn der Beschäftigung mit funkengebenden Metallen mit dem Ziel,
Zündvorrichtungen für Feuerzeuge, Gasanzünder für Gaslampen
sowie zur Geschoß- und Minenzündung zu bauen. Die Möglichkeit,
bei mechanischer Bearbeitung von Cer Funken zu erzeugen, war Auer von seinem
Lehrer Bunsen bekannt.
Ermittlung der optimalen Zusammensetzung von Cer-Eisen-Legierungen
zur Funkenerzeugung.
Erhebung in den erblichen Freiherrnstand durch Kaiser Franz Josef I.
Verleihung der Elliot-Cresson-Goldmedaille des Franklin-Institutes,
Philadelphia
Auer läßt seine „pyrophoren Legierungen“ patentieren. Diese
bilden beim Ritzen mit harten und scharfen Gegenständen an der Luft
selbstentzündliche Spänchen. Als optimale Zusammensetzung wird
in der Patentschrift ein Anteil von 70% Cer und 30% Eisen angegeben.
In weiterer Folge Entwicklung einer Methode zur kostengünstigen,
industriellen Herstellung dieser Legierung; Optimierung des damals zur
Cergewinnung vorwiegend eingesetzten Verfahrens von Bunsen, Hillebrand
und Norton, beruhend auf der Elektrolyse von geschmolzenen Ceritchloriden.
Die damaligen Probleme bestanden vor allem in der Führung der Elektrolyse,
um ein porenfreies und haltbares Metall abzuscheiden.
Bericht an die Akademie der Wissenschaften, daß die Ergebnisse
der funkenspektroskopischen Analysen seiner seit 1900 fraktionierten Yttererden
darauf hindeuten, daß sich Ytterbium aus zwei Elementen zusammensetzt.
Auer benennt die beiden Elemente nach Sternen: Aldebaranium und
Cassiopeium. Er unterläßt es aber, die erhaltenen Spektren
und die ermittelten Atomgewichte zu veröffentlichen.
Gründung der Treibacher Chemischen Werke Ges.m.b.H. zur Erzeugung
des Cereisens.
Veröffentlichung der Spektren und Astomgewichte der beiden neuen,
aus Ytterbium gewonnenen Elemente, in Ergänzung zum Bericht an die
Akademie der Wissenschaften.
Prioritätsstreit mit dem französischen Chemiker G. Urbain
betreffend die Zerlegung des Ytterbiums.
Lösung das Schmelzfluß-Elektrolyseproblems, wobei die Mineralien
Cerit und Allanit als Ausgangsstoffe dienen.
Die Treibacher Chemischen Werke (TCW) bringen bereits 300kg Zündsteine
auf den Markt.
Striftung der Volksschule Meiselding (bei Treibach).
Adaptierung des Verfahrens durch seinen Mitarbeiter Fattinger, um auch
die Monazitsand-Rückstände aus der Glühkörperproduktion
zur Cergewinnung verwenden zu können.
Erzeugung von drei verschiedenen pyrophoren Legierungen:
Cer oder Auermetall I: Legierung aus ziemlich reinem
Cer und Eisen für Zündzwecke;
Lanthan oder Auermetall II: eine um das Element Lanthan
bereicherte Cer-Eisen-Legierung, die aufgrund des besonders hellen Funkens
für Lichtsignale Verwendung finden sollte;
Erdmetall oder Auermetall III: aus Eisen und „natürlichem“
Cermischmetall, einer Legierung der seltenen Erdmetalle dem natürlichen
Vorkommen entsprechend.
Die beiden ersten Legierungen konnten sich am Markt nicht durchsetzen,
nur das einfach herzustellende Erdmetall erlangte nach Umbenennung in Auermetall
I weltweite Verbreitung als Zündstein in der Feuerzeugindustrie.
Entscheidung der Internationalen Atomgewichtskommission zugunsten Urbains
aufgrund des früheren Eingangsstempels auf der Veröffentlichung
Urbains gegenüber der Publikation Auers, in der dieser die Spektren
und Atomgewichte nachreichte. Die Kommission verfügte daher für
die neuen Elemente die Verwendung der Bezeichnungen von Urbain: Neoytterbium
(heute: Ytterbium) und Lutetium.
Suche nach weiteren Elementen der Seltenen Erden, wie dem Element mit
der Ordnungszahl 61.
Ein Farb-Selbstportrait aus dieser Zeit weist Carl Auer von Welsbach
als einen der ersten wenn nicht als den ersten Farbphotographen in Österreich
aus.
Durchführung von aufwendigen chemischen Trennungen auf dem Gebiet
der radioaktiven Stoffe.
Verleihung des Sterns zum Komtur des Franz-Josefs-Ordens durch Kaiser
Franz Josef I.
Wirkliches Mitglied der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu
Wien, Stockholm und Berlin
Verleihung des Kriegskreuzes erster Klasse für Zivilverdienste
durch Kaiser Karl I.
Verleihung der Birmingham-Medaille
Verleihung des Ringes der Siemens-Ring-Stiftung
Herstellung verschiedener Präparate von Uran, Ionium (heute Th230),
ein Zerfallsprodukt in der Uran-Radium-Reihe, Polonium und Aktinium, die
Auer renomierten Institutionen und Forschern wie den am Cavendish Laboratorium
in Cambridge arbeitenden F.W. Aston und Ernest Rutherford zu Forschungszwecken
zur Verfügung stellt .
Bericht über seine spektroskopischen Erfahrungen an der Akademie
der Wissenschaften in Wien.
Welterzeugung von Cereisen erreicht 100.000 kg.
Dr. Carl Auer von Welsbach stirbt im 71. Lebensjahr.
Außerdem ist über hervorragende Arbeiten von Dr. Carl Auer von Welsbach auf folgenden Gebieten zu berichten:
Photographie - einer der ersten Farb-Photographen in Österreich
Botanik -
Sammlung und Dokumentation sowie Züchtung;
z.B. ist eine Apfelsorte als „AUERAPFEL“ bekannt
Die industriellen Aktivitäten von Dr.Carl Auer von Welsbach leben
heute einerseits in der Treibacher Industrie AG fort und andererseits vereinigt
die Treibacher Auermet Ges.m.b.H. die Betriebe zur Verarbeitung der
Seltenen Erden.
Mit der Errichtung eines Museums (Eröffnung am 25. April 1998) in der Stadt Althofen, Burgstraße 8 (Weberitschhaus) – es ist dies weltweit erst das vierte Chemie-Museum – und der Benennung des Gymnasiums in Althofen in Oberstufenrealgymnasium „Auer von Welsbach“ (ab Jänner 1998) wurden Dr. Carl Auer von Welsbach und seinen weit über den örtlichen Bereich und Österreich hinaus wirkenden Erfindungen und Entwicklungen weitere bleibende Denkmäler gesetzt.
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